Gegen Ende des Jahres wird es wieder Zeit für gute Vorsätze. Ich habe immer die gleichen: Abnehmen, gesündere Ernährung, mehr Schlaf, öfter alten Damen über die Straße helfen usw. Allerdings scheitere ich jedes Jahr daran. Darum dachte ich, es sei vielleicht besser, einfach mal die guten Vorsätze auf Scrum zu übertragen. Hier sind also ein paar Vorschläge für Scrum Master und Product Owner, die ich auch schon alle selbst ausprobiert habe.

Gute Vorsätze für Scrum Master

Als erstes möchte ich zwei gute Vorsätze für Scrum Master vorschlagen:

  1. Immer erst die anderen Teammitglieder zu Wort kommen lassen. Dieser Vorsatz war nicht einfach für mich. Ich bin nämlich sowohl eigensinnig als auch ungeduldig. Während eines Meetings kann es durchaus vorkommen, dass ich am liebsten einfach dazwischen reden und meine Meinung kundtun würde. Das erstickt jedoch meist jegliche Diskussion im Keim. Dieses Problem konnte ich vor einigen Jahren lösen. Ich ließ immer erst zwei andere Teammitglieder zu Wort kommen, bevor ich (in der Rolle als Scrum Master und Entwickler) meine Meinung äußerte.
  2. Das Team öfter loben. Für mich ist das Glas immer halb leer. Ein Team senkt seine Fehlerquote um 50 % und ich möchte wissen, warum nicht um 100 %. Die Velocity wird um fünf Points gesteigert und ich bin der Meinung, es hätte ruhig etwas mehr sein können. Das Gute daran ist, dass ich immer auf der Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten bin. Allerdings kann es für ein Team auch ziemlich deprimierend sein, tolle Fortschritte zu machen und trotzdem immer zu hören, was noch nicht gut genug ist. Damit das nicht passiert, ist es wichtig, die Teammitglieder auch öfter mal zu loben.

Gute Vorsätze für Product Owner

Und hier ein paar Vorsätze für Product Owner:

1) Dem Team nicht permanent neue Anweisungen geben. Wenn man eine gute Idee hat, möchte man das Team am liebsten jedes Mal unterbrechen und neue Anweisungen geben. Dass es nicht gut sein kann, wenn ein Team ständig andere Prioritäten setzen muss, ist klar. Allerdings kann man auch nicht gänzlich darauf verzichten, gelegentlich neue Anweisungen zu geben. Hier sind zwei Möglichkeiten, dieses Problem zumindest etwas einzudämmen:

  • Erst eine Nacht darüber schlafen. Nehmen Sie sich einfach vor, immer erst einen Tag zu warten, bevor Sie das Team bitten, eine neue Idee umzusetzen – egal wie gut oder dringend sie sein mag. Kaum eine Änderung ist so wichtig, dass sie sofort umgesetzt werden müsste. Eine Nacht darüber zu schlafen gibt einem genug Zeit, alles noch einmal zu überdenken. Wenn die Änderung Ihnen am nächsten Tag immer noch so wichtig erscheint, können Sie das dann immer noch mit dem Team besprechen.

  • Schreiben Sie es auf. Anderen etwas mitzuteilen, ist oft nur dafür da, um es selbst aus dem Kopf zu bekommen. Das können Sie aber auch erreichen, indem Sie die gewünschte Veränderung einfach aufschreiben. Wenn Sie ein Tool zum Managen Ihres Backlogs nutzen, können Sie Ihre Ideen dort hinzufügen und werden dann im nächsten Sprint daran erinnert. Ansonsten schreiben Sie alles in ein normales Textdokument. Dort können Sie dann vor jedem Sprint Planning Meeting einen Blick hinein werfen.

    2) Besser erreichbar sein. Ich habe einige Teams befragt, was sie sich von ihrem Product Owner wünschen würden. Eine der häufigsten Antworten war, dass er besser erreichbar sein sollte. Als Product Owner sollten Sie sich daher vornehmen, dem Team im nächsten Jahr öfter zur Verfügung zu stehen. Hier sind ein paar Vorschläge, wie man dieses Ziel erreichen kann:

  • Sich in der Nähe des Teams aufhalten. Wenn Sie normalerweise nicht in der Nähe der anderen Teammitglieder arbeiten, schlagen Sie ihnen vor, eine bestimmte Zeit am Tag (z.B. von 13 Uhr bis 15 Uhr) bei ihnen zu sein. Diese Zeit ist nicht für bestimmte Dinge, wie Meetings gedacht (sie sind aber natürlich erlaubt). Sie nehmen sich einfach Ihren Laptop und setzen sich zu Ihrem Team. Sie machen Ihre normale Arbeit – nur eben in Gegenwart des Teams. Sollten Sie gebraucht werden, sind Sie nur ein paar Schritte entfernt. Wenn nicht, gehen Sie einfach Ihrer normalen Arbeit nach.

  • Mit dem Team einen geheimen Code vereinbaren. Ein Schlagwort wie “[Heute]” in der Betreffzeile einer E-Mail kann z. B. bedeuten, dass Sie noch vor Feierabend darauf antworten werden. Klären Sie vorher ab, in welchem Rahmen das alles sinnvoll ist. Beispielsweise sollten Sie nicht 100 E-Mails pro Tag mit diesem Codewort bekommen. (Wenn es zu viele Mails werden bzw. ein Problem nicht per Mail gelöst werden kann, kommen Sie auf den oben genannten Punkt zurück und verbringen Sie mehr Zeit mit dem Team.)

Fazit

Wenn Sie diese Vorsätze im neuen Jahr umsetzen, werden Sie und Ihr Team bessere Arbeit leisten können als bisher. Und gesünderes Essen und mehr Schlaf wird Ihnen bestimmt auch nicht schaden.

Dieser Text stammt aus dem Blog von Mike Cohn und wurde von uns ins Deutsche übersetzt.

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