Es ist in Ordnung, wenn mein Chef wissen will, wie lange die Entwicklung verschiedener Product Backlog Items wohl dauern wird. Es kann hunderte, ja sogar tausende von Items geben. Daher ist es nur verständlich, wenn er eine Einschätzung haben möchte. Und die werde ich natürlich gerne abgeben. Aber grundsätzlich müssen sich Vorgesetzte auch bewusst sein, dass diese Information ihren Preis hat.

Alles hat seinen Preis…

Kein monetärer Preis

Ich spreche nicht davon, dass das Team dafür bezahlt werden soll. Ich beziehe mich damit auf die Zeit, die ein Team für diese Einschätzung aufwenden muss.

Wenn ein Vorgesetzter eine schnelle und klare Einschätzung darüber haben möchte, wann gewisse Features fertig gestellt sein werden, kann ich sie ihm sofort geben: “In der Zukunft.” Denn das ist auf jeden Fall richtig.

Allerdings war das sicher nicht die Antwort, die der Vorgesetzte haben wollte. (Ich übernehme übrigens keine Verantwortung, wenn Sie diese Antwort ausprobieren!)

Er wird sicher eine konkretere Einschätzung erwarten. Also muss sich das Team mehr Gedanken dazu machen und kommt vielleicht zu dem Ergebnis, dass ca. drei bis sechs Monate benötigt werden. Das ist schon mal eine viel bessere Antwort als “In der Zukunft”. Für manche Entscheidungen reicht diese Aussage völlig aus – z. B. ob mit dem Projekt begonnen werden soll oder ob weitere Teams involviert werden sollen.

Die meisten Chefs werden jedoch eine präzisere Antwort haben wollen – wie beispielsweise “Im August”. Mit der Nennung eines Monats als Zeitpunkt der Fertigstellung bleibt Ihnen immer noch ein gewisser Spielraum. Es ist aber wesentlich konkreter als die Aussage “Drei bis sechs Monate”.

Eine genaue Einschätzung abgeben zu können, erfordert Zeit. Und das ist der Preis, den man dafür zahlen muss.

Solange ein Vorgesetzter bereit ist, diesen Preis zu zahlen, sollte ein gutes Team auch eine so präzise Einschätzung abgeben, wie er es gerne hätte. Schwierig wird es allerdings, wenn der Vorgesetzte eine sehr genaue Einschätzung haben möchte, aber nicht bereit ist, dafür Zeit zu opfern – z. B. “Ich muss heute Mittag noch wissen, wann genau dieses riesige Projekt fertig sein wird.”

Sollten Sie in gewissen Fällen lieber keine Einschätzung abgeben wollen, streiten Sie nicht mit Ihrem Chef darüber. Das führt zu nichts. Stattdessen sagen Sie ihm lieber, dass Sie ihm gerne eine Einschätzung abgeben werden (auch wenn das nicht stimmt) und verhandeln Sie mit ihm darüber, wie exakt diese Einschätzung sein muss.

Wenn wegen dieser Einschätzung alle anderen Arbeiten für eine Woche lahmgelegt werden, muss Ihr Chef das verstehen. Wenn er also wirklich eine genaue Antwort haben möchte, wird er diesen Preis zahlen. Wenn es ihm allerdings nicht ganz so wichtig ist, wird er sich auch mit einer weniger genauen Einschätzung zufrieden geben, die weniger Zeit benötigt.

Fazit

Informationen haben ihren Preis. Wenn die Person, die diese Information haben will, bereit ist, den Preis dafür zu zahlen, sollten Sie diese Information auch liefern.

 

Dieser Text stammt aus dem Blog von Mike Cohn und wurde von uns ins Deutsche übersetzt.

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