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Was ist ein Minimum Viable Product, wie führt dich die Arbeit damit zum Erfolg und welche immensen Vorteile bringt all das für dich, dein Team und deine Kunden?

In diesem Artikel lernst du alles über das MVP und erfährst, warum der Unterschied zwischen Outcome und Output über Erfolg und Misserfolg deines Produktes entscheidet.

Der Unterschied zwischen Outcome und Output

Wer ein Produkt für seine Kunden entwickelt, sollte sich im ersten Schritt fragen, welche Bedürfnisse diese Kunden eigentlich haben und welche Probleme das Produkt lösen soll. Sind diese Fragen geklärt, kann die Entwicklung des Produktes beginnen, denn erst dann ist klar, welches Resultat (Outcome) sich die Kunden wünschen. Ist das gewünschte Resultat z.B., dass sich Kunden schneller von A nach B bewegen können, könnte das Produkt (Output) ein Auto sein. Muss es aber nicht, denn auch ein Skateboard würde den gewünschten Outcome liefern – und wäre gegenüber dem Auto auch noch günstiger und schneller zu entwickeln.

Fatalerweise beschäftigen sich die meisten Unternehmen vor der Produktentwicklung gar nicht mit dem Outcome für die Kunden: Sie gehen von einer fixen Produktidee aus und konzentrieren sich lediglich darauf, exakt diesen Output mit den dazugehörigen Arbeitspaketen bzw. Features zu liefern.

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Der reine Fokus auf den Output – ein unternehmerisches Risiko

Warum ist diese Herangehensweise so risikoreich und warum kann die reine Fokussierung auf den Output für ein Unternehmen fatale Folgen haben? 

Wer nach einem Big-Bang-Ansatz arbeitet, will sein Produkt zuerst zu 100 % fertigstellen, bevor er es an den Kunden ausliefert. Das kann dazu führen, dass:

  • das Unternehmen zu viel Zeit und Geld in die Entwicklung investiert,
  • Kunden das Produkt nicht mehr brauchen, weil während der langen Entwicklungszeit ein Konkurrent eine bessere Variante herausgebracht hat,
  • der Markt für das Produkt nicht mehr vorhanden ist, weil sich Umstände und Bedürfnisse geändert haben,
  • niemand das Produkt kauft, weil es völlig vorbei an Geschmack und Bedarf der Kunden designt wurde,
  • das Produkt so überdimensioniert, komplex und teuer geworden ist, dass Kunden eine einfachere und günstigere Variante der Konkurrenz bevorzugen.

Kurz gefasst: Das Risiko ist groß, dass Unternehmen sämtliche Ressourcen über einen zu langen Zeitraum hinweg an eine starre Produktidee binden, das Produkt jedoch anschließend nicht gekauft wird. Wie sich dieses Problem einfach und agil umgehen lässt? Die Lösung lautet: Minimum Viable Product.

Welche Lösung bietet das Minimal Viable Product im Scrum?

Wenn du und dein Unternehmen bereits nach Scrum arbeitet, hast du vielleicht schon davon gehört: Minimum Viable Product (MVP) bedeutet kleinstes lieferbares Produkt. Wenn du z.B. als Product Owner für deine Firma arbeitest, solltest du dich immer auf den Outcome basierend auf dem Kundenbedürfnis konzentrieren – im oben genannten Beispiel ist das, schneller von A nach B zu kommen.

Was genau ein kleinstes lieferbares Produkt bzw. ein Minimal Viable Product im Kontext dieses Kundenbedürfnisses sein kann, zeigt das folgende Bild aus dem Blog von Crisp:

Wie inkrementelle Entwicklung aussehen sollte und wie nicht

Die inkrementelle Entwicklung

Natürlich steht das Auto nur als Metapher für das Produkt, das sich der Kunde ursprünglich gewünscht hat: Sein Bedürfnis ist es, schneller von A nach B zu gelangen und er denkt, dass er als Lösung dafür ein Auto braucht.

Bei der Arbeitsweise mit dem Minimum Viable Product sorgst du als Product Owner nun dafür, dass du und dein Scrum-Team in schnellen und kleinen Iterationen kleinste lieferbare Produkte (MVPs) an den Kunden liefert. Wichtig hierbei ist, dass du immer den gewünschten Outcome im Blick behältst und MVPs lieferst, mit denen der Kunden sein Bedürfnis zumindest in Grundzügen bereits befriedigen kann: 

Die obere Reihe des Bildes zeigt, dass es keinen Sinn hat, dem Kunden einfach nur die ersten fertigen Teile des Autos zu verkaufen – damit kann er sich sicher nicht schneller von A nach B bewegen. Die untere Reihe zeigt hingegen, dass sowohl ein Skateboard als auch ein Roller, ein Fahrrad und ein Motorrad als MVPs an den Kunden geliefert werden können, denn schnellere Fortbewegung ist mit jeder dieser Lösungen gegeben.

Welche Vorteile bringen MVPs?

Das Ausliefern von MVPs an Kunden, Tester und Early Adopters hat die folgenden großen Vorteile:

  • Du erhältst im Entwicklungsprozess sehr früh Feedback: Erfüllt diese erste Produktversion bereits die Wünsche des Kunden? Funktioniert sie wie erwartet? Passt das Design? Stecken vielleicht andere oder zusätzliche Wünsche hinter dem ursprünglichen Kundenbedürfnis?

  • Schnelles Learning sorgt für großen Fortschritt: Wenn du bereits nach dem ersten MVP-Feedback weißt, was dem Kunden wichtig ist und worauf er verzichten kann, wird schon die zweite Iteration eine große Verbesserung zeigen.

  • Anpassungen sind jederzeit möglich: Die iterative Entwicklung sorgt für hohe Flexibilität – anstatt erst nach 3 Jahren Entwicklungszeit ein fertiges Endprodukt mühsam neu gestalten zu müssen, kannst du Änderungen nach jeder Iteration ohne großen Aufwand vornehmen.

  • Du generierst frühzeitig Einnahmen: Da du bereits für deine ersten MVPs Geld verlangen kannst, minimierst du das unternehmerische Risiko beträchtlich.

  • Begeisterte Kunden durch Reduzierung von Kaufpreis und Entwicklungszeit: Stellt sich in unserem Beispiel-Kontext oben heraus, dass der Kunde bereits mit dem Fahrrad vollkommen zufrieden ist, weil es sein Bedürfnis bedient, stoppst du als Product Owner die Produktentwicklung genau an dieser Stelle. Da du das Fahrrad 1. schneller und 2. günstiger entwickelt hast als ein Auto, kannst du dem Kunden frühzeitig eine zufriedenstellende Lösung bieten, die ihn weniger kostet.

Ein typisches Minimum Viable Product Beispiel

Ein gutes MVP Beispiel ist der Autobahntunnel auf der A1 in Köln: Anstatt sich auf die Anwohner-Bedürfnisse der Lärmreduzierung zu konzentrieren und zunächst kleinere, verhältnismäßig kostengünstige Maßnahmen wie ein Tempolimit, Flüsterasphalt und Lärmschutzwände als Minimum Viable Products zu liefern und auf dem Feedback der Anwohner aufzubauen, hatten die Beauftragten nur ihren Output im Blick: 

Nach langen Jahren des Bauens und der damit einhergehenden Verkehrsbehinderungen ist ein sogenannter Lärmschutz-Tunnel entstanden, der 200 Millionen Euro gekostet hat. Wie das erzwungenermaßen viel zu späte Feedback der Anwohner nun zeigt, hat der Tunnel das Problem nicht gelöst – sondern im Gegenteil die Lärmsituation noch verstärkt.

Fazit: Warum lohnt sich die Arbeitsweise nach dem MVP?

Gerade, wenn das eigentliche Produkt noch nicht völlig klar und nicht empirisch sichergestellt ist, dass die Kunden es so und nicht anders kaufen werden, ist es erfolgsentscheidend, in Outcomes und Kundenbedürfnissen zu denken und sich diesen durch MVPs anzunähern.

Und selbst bei Produkten, bei denen du das Gesamtbild bereits kennst wie z. B. einem Lastwagen, kann sich die inkrementelle Auslieferung von Minimal Viable Products lohnen. Denn eventuell stellt dein Kunde fest, dass er auch mit wesentlich weniger Funktionen zufrieden ist als ursprünglich gedacht. Und ein Kunde, der seine Problemlösung schneller für weniger Geld bekommt, ist ein höchst zufriedener Kunde.

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