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Flexible Sprintdauer?

Eine konsistente Sprintlänge hat einige Vorteile

Ein agiles Team sollte eine konstante Sprintdauer haben. Als ich mit der iterativen und inkrementellen Entwicklung anfing (sogar noch vor dem, was wir heute agile Entwicklung nennen) machte ich leider den Fehler, dass nicht alle unsere Sprints gleich lang waren.

Wir trafen uns zu Beginn eines Sprints, um die Arbeit dieses Sprints zu planen. Ein Punkt auf unserer Agenda dieser frühen Sprint Planning Meetings war, zu entscheiden, wie lang der Sprint sein würde. Dies schwankte recht willkürlich irgendwo zwischen zwei und sechs Wochen.

Die Entscheidung, wie lang der Sprint dauern sollte, machten wir abhängig davon, wie viel Arbeit wir zu haben glaubten; wie viel wir davon liefern mussten, bevor unsere Nutzer es sich ansehen konnten; wer nicht ins Büro kommen würde und ob wir uns energiegeladen oder erschöpft fühlten.

Zu diesem Zeitpunkt erschien es uns richtig, die Sprintlänge zu variieren – und ich muss zugeben, dass dies keine bewusste Entscheidung war; wir machten es einfach, ohne jemals darüber nachzudenken, ob es eine gute Idee war oder nicht. Erst später entdeckte ich vier Gründe für eine gleichbleibende Sprintdauer.

1) Teams profitieren vom regelmäßigen Rhythmus einer konsistenten Sprintdauer

Zunächst einmal profitieren Teams von einem regelmäßigen Rhythmus. Wenn die Sprintdauer variiert, sind die Teammitglieder häufig etwas irritiert, was den Zeitplan angeht. „Ist das jetzt die letzte Woche des Sprints?” und „Liefern wir diesen Donnerstag oder nächste Woche Donnerstag?” sind dann häufige Fragen. Eine feste Sprintlänge – egal ob eine Woche, vier Wochen oder irgendetwas dazwischen – hilft den Teams, einen Rhythmus zu finden, der am besten zu ihnen passt.

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2) Das Sprint Planning wird einfacher

Ein zweiter Grund für eine konstante Sprintdauer ist, dass das Sprint Planning dadurch einfacher wird. Mit Hilfe von Sprints lernt ein Team, wie viel Arbeit es erfolgreich in einem Sprint erledigen kann. Den nächsten Sprint zu planen, ist dann relativ einfach, da man nur ungefähr die gleiche Menge an Arbeit auswählen muss wie in vorherigen Sprints.

3) Die Velocity lässt sich mit einer gleichbleibenden Sprintlänge einfacher vergleichen

Wenn alle Sprints gleich lang sind, ist es viel einfacher, die Velocity zu vergleichen. Wenn die Sprintlänge eines Teams variiert, muss man entweder immer die exakte Dauer des Sprints mitangeben (um zu erklären, warum ein Sprint eine höhere Velocity hat) oder die Velocity z.B. mit Hilfe der Velocity pro Woche oder der Velocity pro Tag normen.

Leider gibt es keine Garantie dafür, dass man in einem vierwöchigen Sprint genau doppelt so viel Arbeit erledigen kann wie in einem zweiwöchigen Sprint. Die Velocity pro Woche zu nehmen funktioniert daher zwar irgendwie, ist aber überflüssig, wenn Sprints alle gleich lang gehalten werden.

4) Richard Feynman würde es auch tun

Ein vierter Grund, Sprints gleich lang zu halten, ist, dass der Physiker und Nobelpreisträger Richard Feynman es auch tun würde. In seinem Buch Surely You Must Be Joking, Mr. Feynman erzählt er davon, wie er es satt hatte, jeden Abend sein Dessert auszuwählen. Er löste die Situation, indem er entschied, von nun an immer Schokoladeneis zum Nachtisch zu essen.

Zu Beginn jedes Sprints die Sprintlänge neu zu wählen, ist nichts als Energieverschwendung. Experimentieren Sie mit unterschiedlichen Sprintlängen, treffen Sie eine Entscheidung und bleiben Sie dabei bis es einen triftigen Grund gibt, etwas zu verändern.

Darf ein Team überhaupt die Sprintdauer ändern?

Wenn ich betone, dass es wichtig ist, dass Sprints gleich lang sind, soll das nicht heißen, dass man sich krampfhaft daran festhalten sollte. Keine Richtlinie sollte zu einer unumstößlichen Regel werden. Es kann Situationen geben, in denen es sinnvoll ist, leicht von der festgelegten Sprintdauer abzuweichen.

Lange Urlaubszeiten sind beispielsweise ein guter Grund für ein Team, die Sprintlänge zu verändern. In den USA ist es beispielsweise üblich, sich über Thanksgiving und Weihnachten länger frei zu nehmen. Ein Team, das normalerweise zweiwöchige Sprints hat, hat über diese Feiertage vielleicht für einen Sprint nur die Hälfte an Personentagen zur Verfügung. In diesem Fall profitiert das Team unter Umständen von einem dreiwöchigen Sprint, da dies dann eher der sonstigen Anzahl an Personentagen entspricht.

Ein weiteres Beispiel könnte ein Team sein, das kurz vor einem größeren Meilenstein steht, z.B. in der ersten Woche des nächsten Sprints. Solch ein Team darf sich durchaus dafür entscheiden, den finalen Sprint eine Woche länger anzusetzen, als die restlichen.

Die Sprintlänge zu ändern, ist selbst in solchen Fällen nicht meine bevorzugte Vorgehensweise, aber ich kann verstehen, warum ein Team sich dafür entscheiden würde.

Dieser Text stammt aus dem Blog von Mike Cohn und wurde von uns ins Deutsche übersetzt.